Einmal im Jahr verändert die Stadt ihr Gesicht. Wer diesem ungewöhnlichen Schauspiel beiwohnen möchte, muss allerdings früh aufstehen.
Um halb sieben beginnt die Dämmerung und auch unser Ausflug durch die autofreie Stadt. Zunächst ist es noch hektisch, Uber-Taxis brausen aggressiv über die freien Pisten, und Abschleppwagen holen die letzten Reste vom Straßenrand. Aber gegen sieben Uhr wird es ruhig. Die Stadt ist nicht wiederzuerkennen. Am Straßenrand parken keine Autos mehr, sie sind alle verschwunden. Und dann diese Stille, die ich sonst nur aus dem Wald kenne. Es ist Sonntagmorgen, die Stadt schläft noch.
Plötzlich ein Abrollgeräusch, ein ständig lauter werdendes surren. Doch noch ein verirrter Wagen? Nein, es ist ein Pulk von Rennrädern, die hier den frei gewordenen Platz in der Stadt für sich entdecken. Und augenblicklich wird es wieder still, ganz still.
Die Ordner und Ordnerinnen für den Marathon stehen bereits auf ihren Posten. Alle paar Kilometer herrscht hektische Betriebsamkeit an den Wasser- und Ernährungspunkten für die Läuferinnen und Läufer.
Gegen halb neun verlassen wird die Piste. Die Stadt ist erwacht, jetzt sind auch die Gehwege belebt. Die Leute gehen zu den Bahnhöfen oder suchen sich mit ihren selbst gemalten Schildern einen Platz an der Strecke. Gleich werden die Rollis hier durchsausen, bis endlich die Karawane der Läuferinnen und Läufer erscheint.




Vielen Dank für Ihr Interesse an meiner Fotografie und meinen Texten.
Erik Boß

