Es ist ein heller Nachmittag, als ich mit meiner Kamera über den Platz am Kulturforum gehe. Eigentlich bin ich hier mit einem Fotokurs – unsere Aufgabe lautet, die Leere mit dem Fotoapparat einzufangen. Doch sobald ich auf dem Areal stehe, ist von Leere kaum etwas zu spüren. Menschen sitzen auf den Stufen, lesen, unterhalten sich. Jugendliche fahren Skateboard, die Räder klackern über die Steinplatten. Die Sonne spiegelt sich in den Fenstern der Philharmonie, und die Gelbtöne der Fassade wirken beinahe freundlich.
Ich entdecke viele kleine Details, die mir zuvor nie aufgefallen waren. Eine Linie aus Fenstern, die sich rhythmisch über die Fassade zieht. Geometrische Formen wie Kreise oder Dreiecke, welche die Fläche lebendig machen. Diese Dinge beginnen mich zu interessieren, mehr als das große Thema der Leere. So entstehen an diesem Tag meine vier Fotos – kleine Beobachtungen eines Ortes, der zwischen Bewegung und Stillstand schwankt.
Vielleicht ist es das Schicksal des Kulturforums, dass es von Anfang an ein schwieriger Ort ist. Seine Entstehung liegt in der Zeit der Teilung Berlins. Während im Osten die Museumsinsel mit ihren prachtvollen Bauten steht, suchte der Westen nach einem eigenen Ort für Kunst und Kultur. So entsteht hier, zwischen Tiergarten und Potsdamer Platz, ein modernes Gegenstück: die Philharmonie, die Neue Nationalgalerie, später die Gemäldegalerie.
Das Kulturforum ist ein Kind der Nachkriegsmoderne – gebaut mit Mut, aber ohne gemeinsames Herz. Innen sind die Räume großzügig, hell, gediegen. Draußen dagegen wirkt vieles unverbunden, der zentrale Platz neigt sich wie das schwankende Deck eines Schiffes, und zwischen den Gebäuden breitet sich Beton aus.
Wenn ich auf meine Fotos blicke, sehe ich keinen Ort der Leere, sondern einen Ort im Übergang – zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Beton und Licht. In den kleinen Momenten zeigt sich, dass selbst die scheinbar unbelebten Plätze ihre eigene Sprache haben.
Inzwischen wird zwischen Philharmonie und Neuer Nationalgalerie ein weiteres Museum gebaut, vor kurzem war Richtfest. Ich bin gespannt, wie sich dann die Proportionen entwickeln werden, wie sich draußen die Aufenthaltsqualität verändern wird.




Vielen Dank für Ihr Interesse an meiner Fotografie und meinen Texten.
Erik Boß
