Black Shabbat

Am Charlottenburger Schloss erzählt eine Ausstellung von Schmerz, Verlust und Menschlichkeit. Black Shabbat – ein stiller Appell gegen das Vergessen.

Heute bin ich in Charlottenburg. Im Hintergrund erkenne ich das Schloss, davor entsteht gerade der Weihnachtsmarkt. Ich stehe auf dem grünen Mittelstreifen der Schloßstraße, gesäumt von kleinen Museen und alten Wohnhäusern.

Hier ist die Open-Air-Ausstellung Black Shabbat des Mannheimer Fotografen Luigi Toscano zu sehen. Zwanzig großformatige Schwarzweißporträts zeigen Menschen, die am 7. Oktober 2023 beim Anschlag der Hamas auf das Supernova-Festival getötet wurden oder überlebten. Auch Eltern, die ihre Kinder verloren, haben sich fotografieren lassen.

Die Gesichter sprechen ohne Worte. Schmerz, Verlust, ein Blick, der sich tief einprägt. Schon bevor ich die kleinen Tafeln am Rand lese, spüre ich, was hier gezeigt wird. In einer kurzen Einführung erklärt der Fotograf, er wolle Bewusstsein schaffen für das Leid, das der Nahostkonflikt über Unbeteiligte bringt. Seine Bilder sind Kunstwerke, aber auch Mahnmale – ein Appell an die Menschlichkeit inmitten einer von Konflikten geprägten Welt.

Auch das jüdisches Leben in Berlin wird bedroht

Vor kurzem stellten die Antisemitismusbeauftragte des Bundes, Ferda Ataman, und der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, eine Studie vor, in der viele Jüdinnen und Juden von Anfeindungen, Ausgrenzung und Angst berichten. Der Terrorangriff vom 7. Oktober wirkt sich bis in ihren Alltag aus. Schon das Sprechen von Hebräisch in der U-Bahn oder das Tragen eines Davidsterns kann gefährlich werden. Immer mehr Menschen ziehen sich zurück, verstecken ihre Identität.

Das darf nicht sein. Es macht mich traurig – und wütend.
Mir wird in letzter Zeit bewusster, dass mich zwar das Leid der Schoah seit langem beschäftigt, ich aber nur wenig weiß, was jüdisches Leben heute bedeutet. Vor kurzem besuchte ich daher in Wilmersdorf ein Gemeindezentrum. Zwei Rabbiner erzählten dort von den Feiertagen, besonders vom Schabbat – und ganz nebenbei von vielen kleinen Momenten des Alltags. Beim letzten jüdischen Filmfestival sah ich einen Film über eine Familie, ihre Konflikte, ihre Wärme – auch dort stand der Schabbat im Mittelpunkt.

Und so schließt sich ein Kreis. Auch der 7. Oktober war ein Schabbat.

Auf dem Mittelstreifen der Schloßstraße bleiben Kinder mit ihrer Mutter vor den Fotos stehen. Sie schauen lange. Das ist ein gutes Zeichen.

Vielen Dank für Ihr Interesse an meiner Fotografie und meinen Texten.
Erik Boß

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