Das Deutsche Technikmuseum gehört zu meinen Lieblingsmuseen in Berlin. Ich vermute, es wird eher von Berlinerinnen, Berlinern und Schulklassen besucht als von Touristinnen und Touristen. Für mich ist es jedenfalls ein besonderer Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart auf ungewöhnliche Weise miteinander sprechen.
Schon beim Eintreten liegt ein feiner Geruch von Schmieröl in der Luft. Nach links geht es zu den Flugzeugen, nach rechts zu den Eisenbahnen. Alles hier erzählt von Erfindungskraft und Aufbruch, vom Willen, Grenzen zu überwinden – und zugleich von der Last, die all dies für unseren Planeten bedeutet. Wir bestaunen die Wunderwerke der Technik und wissen doch: Sie haben die Welt verändert, nicht nur zum Guten.
Ich bleibe lange vor einer Dampflok stehen. Die Ausstellungshalle wird gerade restauriert und die Lok ist fast vollständig unter halbtransparenten Planen verborgen. Ihr Anblick erinnert mich an ein verhülltes Werk von Christo. So viel Kraft und Form – und doch gebändigt, eingehüllt, beinahe stillgestellt. Ein Bild für die Zwiespältigkeit unserer Zivilisation.
Etwas weiter steht die alte Tante Ju, das berühmte Flugzeug aus Wellblech. Ich habe sie unscharf fotografiert, nur die Tragfläche ist scharf – die Linien des Metalls leuchten, als wollte die Maschine noch einmal abheben. Dann die großen Räder einer Dampflok: rot und schwarz glänzend im Sonnenlicht, wie ein Symbol für Macht und Vergänglichkeit zugleich.
Vielleicht ist es genau das, was mich hier berührt: Die Schönheit vergangener Technik und die Erkenntnis, dass sie den Preis für unseren Fortschritt sichtbar macht. Zwischen Lokomotiven und Propellern wird mir bewusst, wie eng Staunen und Nachdenken beieinanderliegen – und dass beides Platz haben darf, im Museum wie im Leben.




Vielen Dank für Ihr Interesse an meiner Fotografie und meinen Texten.
Erik Boß
