Unterm Kirschbaum

In diesem Frühjahr bin ich zum ersten Mal zur Kirschblüte auf dem ehemaligen Grenzstreifen zwischen Berlin-Lichterfelde und Treptow.

Als 1989 in Berlin die Mauer fällt, spenden viele japanische Bürgerinnen und Bürger Geld für Kirschbäume. Gepflanzt werden sie an verschiedenen Orten entlang des ehemaligen Mauerstreifens – als Zeichen der Verbundenheit und des Neubeginns.

In diesem Frühjahr flaniere ich zum ersten Mal auf dem alten Grenzstreifen zwischen Berlin-Lichterfelde und Treptow. Die Kirschblüte beginnt Ende April, und jeden Tag stellt die Gemeinde Teltow ein neues Foto vom Fortschritt ins Netz. So lässt sich beinahe mitverfolgen, wie die Knospen langsam heller werden, bis sich am 18. April die ersten Blüten öffnen.

Schon beim Ankommen erstaunt mich, wie viele Menschen hier unterwegs sind. Paare, Familien, kleine Gruppen – alle gehen in ruhigem Tempo den Weg entlang und später wieder zurück. Viel weiter führt er ja nicht. Manche haben Decken mitgebracht und sitzen einfach unter den Bäumen. Es wird fotografiert, gelacht, geschaut. Vor allem junge Frauen posieren in bunten Frühlingskleidern zwischen den Zweigen, als wollten sie für einen Augenblick selbst Teil der Blüte werden.

Und doch bleibt die Stimmung still und freundlich. Trotz der vielen Menschen liegt eine angenehme Ruhe über dem Weg. Keine Buden, keine Händler, keine Musik. Nichts, das Aufmerksamkeit verlangt. Nur das langsame Gehen unter den Kirschbäumen, das helle Rosa über den Köpfen und für einen kurzen Moment das sorglose Gefühl, dass unser Leben wunderschön sein kann.

Vielen Dank für Ihr Interesse an meiner Fotografie und meinen Texten.
Erik Boß

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