Im Wald bei Friedrichshagen

Entlang der Bahnlinie nach Rahnsdorf führt ein stiller Waldweg, auf dem ich laufe, fotografiere und immer wieder zur Ruhe komme.

Wer an Friedrichshagen denkt, denkt meist zuerst an den Müggelsee. Für mich aber ist der Wald der schönste Ort. Er beginnt gleich hinter den Gleisen, zieht sich entlang der Bahnlinie bis nach Erkner und begleitet mich seit Jahren auf meinen Wegen durch die Jahreszeiten.

Ich kenne diesen Wald gut – seine schnurgeraden Wege, die kleinen Schutzhütten, wenn es einmal regnet, die jungen Bäume, die sich zwischen die alten Fichten drängen. Aus der ehemaligen Monokultur wird langsam ein Mischwald, der atmen kann. Vielleicht gibt es anderswo schönere Laubwälder, doch dieser hier ist meiner.

Oft bin ich hier unterwegs, manchmal mit der Kamera, manchmal laufend. Wenn ich in Friedrichshagen starte und Richtung Rahnsdorf gehe, wird das Summen der Stadt mit jedem Schritt leiser, bis es ganz verschwindet. Dann bleibt nur das Rascheln der Blätter, das Klopfen eines Spechts, das ferne Flattern eines Vogels. Manchmal huschen Rehe über den Weg, Wildschweine lassen sich nie blicken, aber ihre Spuren verraten sie.

Ich mag diese Stille, das gleichmäßige Gehen. Im Herbst riecht der Boden nach feuchtem Gras, und weiße Beeren leuchten im Schatten der Sträucher. Nur selten begegne ich anderen Menschen – ab und zu einem Radfahrer, sonst bin ich allein mit den Geräuschen des Waldes.

Am Samstag wird mein Wald zur Laufstrecke. Früher schaffte ich sechzig Minuten ohne Pause, heute sind es zwanzig mit Gehphasen dazwischen. Das ist in Ordnung. Ich laufe meinen Weg, so wie er jetzt ist – nicht schneller, nicht anders. Vielleicht ist es genau das, was mich an Frank Sinatras My Way erinnert: die Gelassenheit, den eigenen Rhythmus zu finden und dabei dankbar zu sein, dass dieser Weg existiert.

Und so gehe ich ihn immer wieder, Woche für Woche, durch Frühling, Sommer, Herbst und Winter – meinen Weg im Wald bei Friedrichshagen.

Vielen Dank für Ihr Interesse an meiner Fotografie und meinen Texten.
Erik Boß

Nach oben scrollen