Die Sonne liegt weich auf den Blättern, ein leises Rascheln begleitet jeden Schritt. Der See ist noch still, als würde er den Herbst begrüßen. Ein Tag, der nicht viel will – nur betrachtet werden.
Heute bin ich am Ufer des Müggelsees. Es ist ein ein klarer, frischer Herbstvormittag – die Sonne scheint, die Luft ist hell und kühl, aber nicht kalt. In dieser Atmosphäre geht mir das Herz auf. Ich streife durch die Natur, alles glitzert, überall blinken kleine Lichtpunkte zwischen den Zweigen. Es ist, als würde der See noch einmal alle Farben zeigen, bevor der Winter kommt. Noch dominiert das Grün des Sommers, doch dazwischen leuchten bereits Rot und Gelb.
Ich überlege, welche Jahreszeit mir lieber ist – der Frühling oder der Herbst. Vielleicht ist der Herbst etwas melancholischer, weil so vieles zu Ende geht. Und doch: Eigentlich endet nichts. Es ist nur ein Kreislauf, der sich schließt, um wieder neu zu beginnen. Jetzt hat es sich wieder zum Herbst gekreiselt.
Auf einem Baumstamm wachsen kleine weiße Pilze und zwischen den Ästen glimmt das rote Laub. Das Wasser spiegelt Steine, Sand und Himmel. Und über allem ziehen drei Schäfchenwolken – fast schwerelos. Momente, die bleiben, wenn man sie still betrachtet.
Das Wasser ist glasklar, bis auf den Grund kann ich schauen. Kleine Steine liegen auf gelbem Sand, gelbe Blätter treiben auf der Wasseroberfläche. Das Licht kommt von vorn, Gegenlicht – es verleiht der Landschaft Tiefe und Glanz. Rückenlicht lässt Dinge oft flach erscheinen, doch hier wirkt alles lebendig und offen.
Wo ich gehe, gibt es keine festen Wege. Nur schmale Trampelpfade führen am Ufer entlang, zwischen Büschen und alten Bäumen hindurch. Ich bin hinter dem alten Wasserwerk, dort, wo die Bebauung endet. Ganz allein bin ich nicht – eine Joggerin mit Hund zieht vorbei, und hin und wieder begegnen mir Spaziergänger. Manche Bäume sind umgestürzt, und man spürt, dass die Natur hier sich selbst überlassen bleibt.
Schließlich endet der Pfad am Strandbad Müggelsee, dort erlaubt ein offenes Tor den Eintritt, und tatsächlich liegen noch einige Menschen am Strand in der Sonne. Von hier fährt auch die Straßenbahn, ihre Haltestelle trägt den schönen Namen Licht- und Luftbad Müggelsee, sie fährt unter hohen Bäumen zurück nach Friedrichshagen – entlang des Fürstenwalder Damms, mitten durch den Wald.




Vielen Dank für Ihr Interesse an meiner Fotografie und meinen Texten.
Erik Boß
