Auf unserem Gemüsebeet in Rudow

Von April bis November bewirtschaften wir einen Mietgarten am Stadtrand von Berlin.

Gemüse ist gesund und schmeckt noch besser, wenn es selbst angebaut und geerntet wird. In Rudow gibt es dazu die Möglichkeit.

Die Idee ist einfach und genial zugleich: Ein Landwirt bestellt ein großes Feld mit heimischem Gemüse – Porree, Wirsing, Kürbis, Kartoffeln, Salat, Rote Bete, Mangold, Möhren. Wir mieten darauf einen schmalen Streifen, zwei Meter breit und zwanzig Meter lang. Ende April, manchmal auch erst Anfang Mai, beginnt die Saison. Auf dem Grundstück gibt es mehrere Brunnen zum Gießen und einen Schuppen mit Gartengeräten – alles ist vorbereitet, um sofort loszulegen.

Die meiste Arbeit fällt im Mai und Juni an. Dann sprießt das Unkraut, wir müssen es regelmäßig entfernen, damit das Gemüse genug Feuchtigkeit und Raum zum Wachsen hat. Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell sich das Feld verwandelt. Wo im Mai noch eine sandige Fläche liegt, wachsen im Juni schon die ersten Radieschen und Salatköpfe.

Nach der Ernte entsteht Platz für Neues. Dann säen oder pflanzen wir nach, was bislang fehlt – in diesem Jahr Tomaten, Weißkohl und Blumenkohl. So bekommt jede Parzelle mit der Zeit ihren eigenen Charakter. Auf dem Feld bleibt stets ein kleiner Streifen von etwa drei Metern unbestellt; dort setzen wir Dahlien, die bis in den Herbst hinein blühen und dem Beet etwas Verspieltes geben. Im Oktober holen wir schließlich die letzten Kartoffeln aus der Erde, nehmen den Grünkohl mit nach Hause – und dann ist die Saison zu Ende.

Mir gefällt dieses Konzept sehr. Es ist kein Gemeinschaftsgarten, sondern jeder bewirtschaftet für eine Saison ein eigenes Stück Land. Die Grenze zur Nachbarparzelle wird am Tag der Eröffnung einfach mit den Füßen festgetreten – daraus entsteht zugleich ein schmaler Pfad, der später in den hinteren Teil des Beetes führt.

Die Buchung des Feldes geschieht nicht über den Landwirt, dies macht ein Unternehmen, welches die Mietgärten bundesweit anbietet. Es heißt Meine Ernte. Die Buchung erfolgt online, und bei der Gelegenheit vergeben wir auch einen Namen für unser Feld. Dieser Name hilft, die eigene Parzelle am Eröffnungstag zu finden. Unser Beet heißt „Wuddelbuur“ – das ist plattdeutsch und bedeutet Gemüsebauer. Ein passender Name, finde ich.

Wenn ich nach der Feldarbeit über das Beet gehe, die Sonne mittlerweile tief steht und die Farben wärmer wirken als am Mittag, dann bleibe ich einen Moment stehen und sehe, wie sich alles still bewegt – die Blätter im Wind, die Schatten der Pflanzen, das Summen der Insekten und Hummeln. Vielleicht ist es genau dieser Augenblick, in dem die Arbeit zur Ruhe kommt und das Schauen beginnt.

Vielen Dank für Ihr Interesse an meiner Fotografie und meinen Texten.
Erik Boß

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