Ein Kettenkarussel dreht sich dynamisch vor der Marienkirche

Auf dem Weihnachtsmarkt am Roten Rathaus

Vielleicht liegt darin das Geheimnis dieses Ortes: Am Abend blüht die Stadt hier auf, bevor sie sich zurück in die graue Dunkelheit des Winters legt

Es ist Adventszeit in Berlin, und rund um den Neptunbrunnen leuchtet wieder der Weihnachtsmarkt am Roten Rathaus. Schon von weitem ist das Riesenrad zu sehen, ein vertrauter Anblick, der Jahr für Jahr denselben Zauber entfaltet. Das Besondere an diesem Ort aber ist die Eisbahn, die sich wie ein glitzernder Ring um den Brunnen legt. Kinder und Erwachsene drehen ihre Runden, manche zögerlich, andere mit eleganten Schwüngen.

Zwischen den Buden duftet es nach gebrannten Mandeln, Bratwurst und Glühwein. Händler bieten Holzspielzeug, handgestrickte Mützen und allerlei funkelnden Weihnachtsschmuck an. Zwei meiner Fotos zeigen Menschen, die hier arbeiten – konzentriert, routiniert, freundlich. Sie halten den Markt am Laufen, während ringsum das Licht flimmert und Stimmen durcheinanderklingen.

Für mich ist das Kettenkarussell das Herz des Platzes, obgleich es am Rand steht. Im Stillstand wirkt es fast poetisch – eine filigrane Konstruktion aus Ketten, Sitzen und Licht. Sobald es sich dreht, verwandelt es sich in einen leuchtenden Kreis aus Bewegung, Farbe und Geschwindigkeit. Im Hintergrund schimmert das Fenster der Marienkirche, und für einen Moment scheint alles zu verschmelzen – die alten Mauern, das Licht, die Musik.

Eigentlich ist dieser Markt wie viele andere – laut, überfüllt, ein wenig zu viel von allem. Mit Besinnlichkeit hat er wenig zu tun. Und doch, inmitten des Trubels, gibt es diese kleinen Augenblicke: ein Lächeln, eine Bewegung, eine Spur von Wärme in der kalten Luft. Vielleicht ist es genau das, was bleibt – ein kurzer, heller Moment im Winter, bevor alles wieder still wird.

Vielen Dank für Ihr Interesse an meiner Fotografie und meinen Texten.
Erik Boß

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