Heute fahre ich mit der Bahn hinaus nach Pankow, an den Rand der Stadt. Die Idee zu diesem Ausflug verdanke ich einem Vorschlag aus dem Tagesspiegel. Start und Ziel habe ich allerdings vertauscht – ich möchte der Sonne entgegengehen.
In Blankenburg steige ich aus und mache mich auf den Weg Richtung Weißensee. Gleich zu Beginn passiere ich ein mächtiges Anwesen, verborgen hinter alten, mit Efeu bewachsenen Bäumen. Es ist das letzte große Haus auf meiner Strecke. Danach folgen einige Einfamilienhäuser, und schon öffnet sich die Landschaft.
Der Weg führt über einen Golfplatz, weiter über bestellte Felder und entlang von Alleen mit knorrigen Bäumen. Schließlich gelange ich in eine Kleingartenanlage, bevor mich das Häusermeer von Weißensee wieder in Empfang nimmt.
Es ist April, und der Frühling zeigt sich von seiner schönsten Seite. Knospen brechen auf, gelbe, rosafarbene und weiße Blüten setzen Farbtupfer in die Landschaft. Über mir ziehen Schäfchenwolken ruhig ihre Bahnen. Die Menschen, die mir begegnen, grüßen einander. Selbst die Golfspielerin, die meinen Weg kreuzt, hebt freundlich den Blick. Auf dem Blankenburger Pflasterweg sind Jogger unterwegs – sie grüßen meist nur ihresgleichen. Ich kenne das gut.
Der Weg durch die Kleingärten weckt Erinnerungen. In meinen ersten Jahren in Berlin lebten wir nahe dem Kollwitzplatz, ohne Balkon, mit wenig Sonne in der Wohnung. Also zog es uns hinaus ins Grüne. Unsere Laube lag in Karow, nicht weit von hier. Im Sommer waren wir fast ständig draußen. Für Gemüse interessierten wir uns damals weniger, und auch die besondere Kultur der Kleingärten blieb uns fremd. Aber die Sehnsucht nach dem Draußensein war schon damals ausgeprägt.
In Weißensee endet mein Weg an der Bäckerei Schnell. Ich setze mich ins große Café, gönne mir einen Cappuccino und eine Käse-Mandarinenschnitte.
Und während ich dort sitze, klingt der Weg noch etwas nach –
in Licht, Farben und dem Gefühl, ein Stück Frühling mitgenommen zu haben.




Vielen Dank für Ihr Interesse an meiner Fotografie und meinen Texten.
Erik Boß

